Görlitz Brückenpark auf dem Weinberg

„Abenteuer im Waldpark – auf Schneckenpfaden"

In der deutsch-polnischen Region nah an der Lausitzer Neiße liegt die Europastadt Görlitz-Zgorzelec. Hier erhebt sich in der Görlitzer Südstadt der Weinberg. Das Gelände, auf dem früher Trauben angebaut worden sind, ist seit über 150 Jahren ein historisches Ausflugsgebiet und Naherholungsziel. Unter üppigem Baumbestand locken auf dem Hügel gleich mehrere Attraktionen: der hölzerne Weinbergturm aus dem 19. Jahrhundert, die 50 Jahre alte Görlitzer Oldtimer Parkeisenbahn und umrundet von der Bahn ein großer Spielplatz.

Der Name des von uns im Auftrag der Stadt Görlitz erneuerten Spielplatzes ist Programm: „Abenteuer im Waldpark –auf Schneckenpfaden”!  Weinbergschnecken geschnitzt aus Holz sind als Wipptiere zu finden, hölzerne Schneckenhäuser sitzen auf Pfosten, riesige Schneckeneier liegen im Sand und ein spannender Schneckenparcours lädt zum Bewegen ein – natürlich auch im schnellen Tempo. Liebevoll haben wir ein vielfältiges Spiel- und Bewegungsangebot entwickelt, das zudem Elemente zur Förderung der Sinneswahrnehmung beinhaltet.

Die Entscheidung darüber, welche neuen Angebote auf dem Spielplatz entstehen sollten, hat eine zwölfköpfige Jury mit aus Vertretern der Kinder- und Jugendarbeit und Planern getroffen. Dass unser Wettbewerbsbeitrag ausgewählt worden ist, freut uns sehr.
Das Entwurfsteam von Zimmer.Obst hat das Thema kreativ umgesetzt.

Die Spielflächen im Brückenpark bieten vielseitige Möglichkeiten zum Klettern, Hangeln, Balancieren, Rutschen, Verstecken, Durchklettern sowie Objekte für die Sinneserfahrung. Unser Spielplatzkonzept berücksichtigt die Bedürfnisse aller Kinder. Es schafft eine barrierearme Umgebung, in der alle Kinder und Jugendlichen am Spiel teilhaben können.

„Brückenpark“ beschreibt die grenzübergreifende Parklandschaft, die in der Europastadt Görlitz-Zgorzelec durch Parks, öffentliche Gärten und Naturräume beiderseits der Neiße gebildet wird. Im Rahmen des INTERREG-Programms werden zwischen 2025 und 2028 die Waldparkanlagen zwischen Obermühle und Friedenshöhe, Teile des Weinbergs und auf polnischer Seite Freiflächen um das Dom kultury erneuert.

Angebote für Alle: Schaffung inklusiver Angebote
Ein wesentlicher Bestandteil ist die inklusive Gestaltung, die Kindern mit unterschiedlichen körperlichen, geistigen und sensorischen Fähigkeiten vielfältige Spielmöglichkeiten bietet. Eine Umgebung zu schaffen, in der gemeinsames Spiel unabhängig von individuellen Voraussetzungen möglich ist, war das Ziel. Die Spielgeräte enthalten inklusive Elemente, die sowohl barrierefrei erreichbar als auch vielseitig nutzbar sind und zum gemeinsamen Spiel und zur gegenseitigen Unterstützung anregen. Sie fördern die Interaktion zwischen den Kindern und schaffen eine Atmosphäre der Offenheit und Wertschätzung.

Unter Berücksichtigung des Zwei-Wege-Prinzips gibt es leichter und schwieriger zu bewältigende Pfade zu den einzelnen Spielpunkten. Auch die barrierefreien Stege, die in den Rundparcours integriert wurden, beinhalten einen einfachen und einen anspruchsvolleren Weg. Sie sind mit farbigen Radabweisern ausgestattet. Entlang des Steges befinden sich verschiedene Spielelemente wie beispielsweise das Schiebeelement Magnetspiel, ein Fingerlabyrinth oder das Tor mit hängender Seildusche zum Durchfahren. Von den Stegen aus führen unterschiedlich schwere Balancier- und Kletterpfade weiter in die Anlage. Wegbegleitend finden sich weitere Elemente zur Sinneserfahrung.

Auch sehbeeinträchtigte Kinder werden ins Spiel mit einbezogen. Ähnlich wie Schnecken ihre Umgebung erkunden, sind unsere Spielgeräte auch zum Bespielen von Kindern mit Sehbeeinträchtigung geeignet: nämlich mittels Hell-Dunkel-Wahrnehmung und gutem Tastsinn (Zwei-Sinne-Prinzip). Durch Farb- sowie Hell-Dunkel-Kontraste sind die Spielelemente auffindbar. Der Tastsinn wird durch verschiedene haptische Elemente wie geschnitzte Robinienholzbalken und eine Vielfalt im Materialeinsatz angeregt.  Für den Tast- und Hörsinn hat Zimmer.Obst die Guirowand gestaltet: Mit einem Klöppel kann über Rillen in der Holzwand Klang erzeugt werden.
Als zusätzliches Leitsystem befinden sich an den Eingangspfosten und an markanten Stellen weiße Punkte. Durch ihre kontrastreiche Sichtbarkeit dienen sie als Orientierungshilfe und führen ins Spielfeld.

Spielfunktion, Spielwert, Spielkreisläufe und Erlebnisdichte
Die Spielgeräte richten sich je nach Bereich an Kinder im Alter von 0 bis 6 bzw. 6 bis 12 Jahren. Für die Kleineren wurden mit den Schneckeneiern ein Platz für Rollen- und Versteckspiele geschaffen. Aber auch erste Lauf- und Balanciererfahrungen können hier gesammelt werden. Die größeren Kinder mit dem Bedürfnis nach Herausforderung, Abenteuer und gemeinschaftlichem Rollenspiel können auf anspruchsvolle Bewegungsangebote zurückgreifen. Besonders hohe Elemente wie der Kletterturm oder die Hangelstrecke fördern das Erleben von Abenteuer und Selbstwirksamkeit. Zugleich bieten sie Raum für soziale Interaktion und gemeinsames Spiel.

Neben Elementen für freies, kreatives Spiel gibt es ein abwechslungsreiches Spielangebot in unterschiedlichen Höhen und Schwierigkeitsstufen. Somit können die Motorik und die Koordinationsfähigkeit der Kinder gefordert und gefördert werden.

Eingliederung in das Umfeld
Durch die räumliche Anordnung der Spielelemente und die Vielfalt der Bewegungsangebote werden Kinder zu längeren und abwechslungsreichen Spielphasen angeregt. Das Durchqueren der verschiedenen Stationen erfordert Ausdauer und ermöglicht das Erleben komplexer Bewegungsabläufe – vom Kriechen über Klettern bis hin zum Hangeln und Balancieren.

Die Spielgeräte sind in ihrer Gestaltung einheitlich und aufeinander abgestimmt und fügen sich durch die natürlichen organischen Formen der Robinienholzstämme in den bestehenden Laubwald des Görlitzer Brückenparks ein. Raumübergreifende Verbindungselemente sind entlang des Weges platziert und gestalten die Zugänge abwechslungsreich. Dazu gehören Klangspiele, die zum Verweilen und Ausprobieren einladen und die Wege spielerisch aufwerten.

Die Spielflächen sind vollständig mit vielfältigen Spielelementen für alle Altersgruppen und Fähigkeiten ausgestattet. Um einen fließenden Spielablauf in einem Rundparcours zu erhalten, haben wir das bauseits geplante Trampolin versetzt und integrieren es in die größere Fläche des Hauptspielbereiches. Auch einige andere Spielgeräte vom vorherigen Spielplatz sind bestehen geblieben und wurden in die Gesamtgestaltung einbezogen. So können die Kinder nicht nur Neues erkunden, sondern auch Bekanntes wie das kleine Baumhaus, die Doppelseilbahn, Laufrad und die Tischtennisplatten und nicht zuletzt die große Weinbergschnecke mit Rutsche weiter nutzen.
Seit 1978 steht die vom Bildhauer Franz Gruß (1931-2006) gestaltete Weinbergschnecke aus Zement an diesem Ort. Sie ist den heutigen Sicherheitsanforderungen gemäß ertüchtigt worden und hat von P&V Metalltechnik, Markersdorfeine neue Rutsche aus Metall bekommen. Auch einen Namen hat sie mit fast 50 Jahren endlich bekommen: Kinder stimmten mehrheitlich für “Flitzi” ab.

Design, Farb- und Gesamtgestaltung
Die Farbgestaltung des Spielplatzes orientiert sich an der Vorgabe, Rot- und Orangetöne zu verwenden. Die Spielbereiche heben sich durch einzelne Akzente in kräftigen Farben von der Umgebung ab und machen neugierig auf ein Erkunden der Spiellandschaft. Die Farbgebung sorgt für eine klare Orientierung und hebt die Spielbereiche hervor, ohne den natürlichen Charakter des Geländes zu stören. Des Weiteren wurde Weiß eingesetzt. Es dient als Farbkontrast und als Hell-Dunkel-Kontrast. Der Einsatz erfolgt in Form von weißen Punkten, die an den Spielgeräten aufgemalt sind und in eine Fantasiewelt eintauchen lassen. Ferner haben die Schneckeneier im Kleinkinderbereich eine weiße Grundfarbe.
Das natürliche Spiel von Licht und Schatten des Waldes wird in den Spielgeräten durch Lichtspiele aus Plexiglas aufgegriffen.

„Dieses Projekt entwerfen und umsetzen zu dürfen, hat uns allen viel Freude gemacht und wir danken der Stadt Görlitz und allen Beteiligten für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Das Ergebnis ist ein wunderbares Spielangebot für alle Kinder an einem bemerkenswerten Ort.”, sagt Geschäftsführer Carsten Obst.

Mehr Infos: www.goerlitz.de/news/detail/2458-Neu-gestalteter-Spielplatz-an-der-Parkeisenbahn

Zum Brückenpark: www.goerlitz.de/Brueckenpark.html

Mehr zur alten Schnecke “Flitzi” von Franz Gruß: www.spielplatztreff.de/blog/ostmoderne-spielskulpturen-robuste-spielobjekte-aus-vergangener-zeit/

Baujahr
2026

Standort
Park Weinberg
(An der Landskronbrauerei 118, 02826 Görlitz)

Auftraggeber
Stadt Görlitz

Landschaftsarchitektur
Prugger Landschaftsarchitekten, Pirna

Entwurf
Zimmer.Obst GmbH, Spreenhagen

Herstellung
Zimmer.Obst GmbH, Spreenhagen

Garten- und Landschaftsbau: Mörbe & Co. GmbH, Kubschütz

Fotos
Fotos: Christo Libuda (Lichtschwärmer), Berlin

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