Wo früher Pferde galoppierten und Kaninchen hoppelten
Gartenschauen sind stets ein Highlight, so auch die Landesgartenschau 2026 im nordrhein-westfälischen Neuss. Das Gelände einer ehemaligen Galopprennbahn mitten in der Stadt ist gänzlich verwandelt: Statt Rasenflächen und Sandstrecken locken auf 38 Hektar Schaugärten, Garteninspirationen und Blumenausstellungen, sind Bäume gepflanzt, Biotope angelegt und ist damit ein innerstädtisches Naherholungsgebiet geschaffen worden. Auch die größte kommunale Spiel- und Sportlandschaft ist auf dem Areal entstanden. Ein von Zimmer.Obst gestalteter und gebauter Spielplatz ist Teil davon.
Themenspielplatz Kaninchenbau im Naturhain
Erfolgreich ging Zimmer.Obst Spielraumgestaltung aus dem zweistufigen, europaweit ausgeschriebenen Teilnahmewettbewerb für den Themenspielplatz „Kaninchenbau im Naturhain“ hervor. Mit den beiden weiteren Themenspielplätzen „Römer“ und „Rennbahn“, Skaterbahn und Calisthenics-Anlage bietet das Spielplatztrio ein breites Spiel- und Bewegungsangebot für Kinder, Jugendliche und sportlich Interessierte.
In grüne Hügel eingebettet
Zentral auf dem Landesgartenschaugelände gelegen und eingebettet in eine landschaftsarchitektonisch spannende Umgebung mit gras- und strauchbewachsenen Hügeln, für die Franz Reschke Landschaftsarchitektur verantwortlich zeichnet, befindet sich unsere Spielanlage auf einer kleinen Grundfläche von nur rund 250 m². Der „Kaninchenbau im Naturhain“ lädt Kinder aller Altersgruppen zum Entdecken, Klettern, Balancieren, Rutschen, Sandspielen, Kriechen und Verstecken ein. Herzstück ist die weithin sichtbare, komplexe Spielstruktur mit mehreren Ebenen, Gängen und Kammern, die ein breites Spektrum an Kletter- und Spielwegen bietet, zudem einen barrierefreien Zugang hat, Ausblick bietet und selbst ein Hingucker ist.
Leicht erhöht auf einem Grashügel und umgeben von Wegen ist der Spielplatz allseitig erreichbar: An der östlichen Seite führt ein befestigter Weg vorbei, an den ein kleiner Platz mit sonnenbeschirmten Bänken anschließt. Auf der anderen Wegeseite laden Sitzstufen aus Stein die Besucher:innen zum Ausruhen und Beobachten ein. Diese leiten in den erhabenen Spielplatzbereich über. Zu den weiteren zwei Dritteln umrundet ein Weg mit wassergebundener Decke den Spielraum.
Eine Spiellandschaft für alle
Die von Zimmer.Obst gestaltete, zusammenhängende Spiellandschaft ist für ein möglichst großes Spielangebot in die kleine, annähernd runde Fläche eingepasst. Die anspruchsvolle Skulptur steht auf einem Untergrund mit Holzhackschnitzel, die den Fallschutz bilden. Einzelne, niedrige Balancierbalken beginnen an der Wiese und leiten in den Spielbereich hinein.
An der südöstlichen Seite ist der Spielbereich barrierefrei zugänglich: Direkt vom unbefestigten Weg ist ein holzbeplanktes Spielpodest zu erreichen. Hier gibt es inklusive und anfahrbare Angebote, einen mit Sonnensegeln überdachten Kleinkindbereich sowie Zugänge in die niedrigste der drei Kammern und in hölzerne Röhren.
Gemeinsame Spielflächen durch Übergänge
Insgesamt sind drei Spielbereiche für verschiedene Altersgruppen (bis 6 Jahre und 6 bis 12 Jahre) und für unterschiedliche Fähigkeiten auf dem kleinflächigen Spielplatz durch kluge Anordnung und Filter untergebracht. Das Entwurfsteam von Zimmer.Obst hat die komplexe Struktur so geschickt angelegt, dass die Bereiche ineinander übergehen, damit gemeinsam nutzbare Spielflächen angeboten werden, aber altersgerechte Erreichbarkeit gesichert ist.
Hölzerne Skulptur mit Gängen und Kammern
Das von der Auftraggeberin gewünschte und von Zimmer.Obst-Team entworfene sowie umgesetzte Thema verweist auf die vielen Kaninchen, die nach der Stilllegung der Galopprennbahn 2019 das Areal besiedelten. Der Kaninchenbau-Spielplatz lädt gemäß der Idee „Leben unter der Erde“ wie die unterirdischen Höhlen- und Tunnelsysteme von Kaninchen zum Krabbeln und Erkunden ein. Überirdisch und in die Höhe gebaut, ist der Spielplatz eine abstrakte Interpretation eines Höhlensystems mit vielfältigen Auf- und Abstiegsmöglichkeiten. Als gestalterisches Mittel sind moderne architektonische Formen mit natürlichen Materialien kombiniert. Bereits in der Umgebung des Kaninchenbaus sind die namensgebenden langohrigen Nagetiere zu entdecken: Überlebensgroße, abstrahierte, in der Werkstatt von Zimmer.Obst geschnitzte Kaninchenfiguren aus Eichenholz lümmeln in den umliegenden Hügeln.
Drei große polygonale Körper aus Holz, die auf Robinienstämmen aufgeständert und auf verschiedenen Höhen über Klettertunnel miteinander verbunden sind, charakterisieren die Spielanlage. Diese „Wohn- und Schlafkammern“ können von den größeren, 6 bis 12 Jahre alten Kindern über Poller, Balken, Tellerbalance, Seilharfe, Seilaufgänge, Leiteraufstieg, Kletterwände und Netze erklettert werden, wobei Hindernisse überwunden werden müssen. Ein Klettermikado unterspielt wie ein Wurzelwerk die Skulptur mit einer lockeren, wie gestreut wirkenden Anordnung von Robinienstämmen. Einzelne Pfosten stehen senkrecht und haben in Grüntönen bemalte Spitzen wie Grashalme. Kletterziele sind Spielangebote im Innern der drei Holzkörper sowie zwei große Rutschen aus Edelstahl, die von der höchsten und zentralen Kammer aus 4,00 und 2,70 Meter Höhe rasch hinabführen. Zwei Gittertunnel verbinden die drei Kammern, Kletter-, Chill- und Liegenetze bieten Möglichkeiten zum Verschnaufen und Abhängen.
Für die Altersgruppe bis 6 Jahre sind ebenerdig Angebote verteilt: Ein Wipptier in Form eines geschnitzten Hasen, eine Bauchschaukel. Zwei Kriechtunnel mit Spielwänden und Balancierstämme gehen in die Bereiche für größere Kinder und Inklusion über.
Der Spielbereich für Kleinkinder und Inklusion besteht aus einem großen Spielpodest. Dieser Steg mit Holzdielung ist befahrbar. Hier locken ein anfahrbarer Matschtisch mit Edelstahlschalen und Gummieimerwaage, Fingerlabyrinth und Fingerschiebespiel und Tic-Tac-Toe. Zwei beschattete Bänke sind für kommunikatives Spiel da oder auch für erwachsene Begleitpersonen.
Spielwert und Sicherheit
Die spannende Kletterstruktur birgt viele Herausforderungen und lässt die Entdeckerherzen höherschlagen. Durch gezielt eingebaute Filter werden die Kinder altersgerecht geleitet. Viele Spielwege führen zu Versteckmöglichkeiten und animieren zum Rollenspiel. Durch vielfältige Kletter- und Balanciermöglichkeiten werden motorische Fähigkeiten geschult und können Kräfte gemessen werden. Die Anlage bietet viel Spielspaß und Chillzonen für die Nutzer:innen, zugleich entspricht sie selbstverständlich den sicherheitstechnischen Anforderungen für Spielplatzgeräte gemäß DIN EN 1176. Die fachgerechte Montage durch Zimmer.Obst und anschließende Prüfung durch unabhängige Sachverständige sorgen dafür, dass das Spiel sicher ist.
Transparenz und Beschattung
Die üppig bemessenen Fenster der drei polygonalen Holzkörper sind mit Edelstahlgittern gesichert; diese stellen eine hohe Transparenz her und sorgen für höchstmöglichen Lichteinfall. Die runden Öffnungen in den Kammern sind mit grünen und orangefarbenen Plexischeiben versehen, die bei Sonnenschein ein buntes Lichtspiel im Innern erzeugen. Durch die dichte Bebauung des Platzes, die trotz Einhalten der Fallräume gestaltet werden konnte, entstehen viele Schattenplätze innerhalb der Spielfläche. Des Weiteren ergänzen zwei Sonnensegel im Inklusions- und Kleinkindbereich die Beschattung.
Nachhaltiges Material
Bei der Herstellung in der Spreenhagener Werkstatt wurde auch bei diesem Spielplatz viel Wert auf robuste und langlebige Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen gelegt. Die Stützen der Holzkörper sowie alle weiteren Pfosten bestehen aus Robinienholzstämmen in unterschiedlichen Durchmessern. Alle Kletter- und Balancierbalken sind ebenfalls aus Robinienholzstämmen. Die Unterkonstruktion ist aus Robinien- und Eichenholz gefertigt. Die Verbretterungen und Podestebenen bestehen aus Robinienholzdielung.
Die verwendeten Hölzer weisen eine hohe Dauerhaftigkeitsklasse (1-2) auf, stammen aus europäischer, ökologisch und sozial nachhaltiger Forstwirtschaft und haben das Gütesiegel PEFC. Die Holzoberflächen wurden mit ökologisch unbedenklichem Leinölfirnis und akzentuiert mit lösungsmittelfreien Acrylfarben behandelt.
„Wie kann man das Thema Kaninchenbau mit ausschließlich unterirdischen Höhlen, Kammern und Gängen in ein oberirdisches Level bringen?, war die kniffelige Ausgangsfrage für das Projekt”, sagt Thorsten Egkert, Lead-Designer bei der Zimmer.Obst GmbH. „Unser erfahrenes Entwurfsteam hat das Motiv `Leben unter der Erde` wunderbar in eine abstrakte, bespielbare Skulptur gewandelt”, wirft Geschäftsführer Carsten Obst ein und er führt aus: „Planerisch-konstruktiv herausfordernd war bei dem Projekt, für die geringe, runde Fläche eine Spielanlage mit hohem Spielwert für viele zu gestalten. Mit den drei großen polygonalen, miteinander verbundenen Holzkörpern auf verschiedenen Ebenen hat unser Design- und Konstruktions-Team eine äußerst spannende Lösung gefunden.” „Bei der Umsetzung der beispielsweise sehr komplizierten Verbindung zwischen den Holzkörpern mit den Gittertunneln samt ihren Verdrehungen und Höhenunterschieden haben unsere Holz- und Metallwerkstatt sowie das gesamte Montageteam außerordentliche Arbeit geleistet“, ergänzt Sascha Albersmann, Leiter der Werkplanung.
Dauerhafter Quartierspark
Zusammen mit den beiden anderen Spielplätzen zu den Themen „Römer“ und „Rennbahn“ und weiteren Bewegungsangeboten wird unser „Kaninchenbau“ weit über das Veranstaltungsjahr hinaus Bestand haben: Der ökologisch vielfältige Erholungs- und Aktivitätsraum für alle Generationen wird nach der Landesgartenschau (16. April bis 11. Oktober 2026) als dauerhafter Innenstadtpark dienen. Wir freuen uns, dass wir als individueller Spielraumgestalter daran mitwirken durften, einen neuen Ort für Freizeit, Bewegung und Begegnung für Familien, Kinder, Jugendliche und aktive Erwachsene zu schaffen.
Baujahr
2026
Standort
Landesgartenschau, Neuss
Auftraggeber
Landesgartenschau Neuss
Landschaftsarchitektur
Franz Reschke Landschaftsarchitektur, Berlin
Entwurf
Zimmer.Obst GmbH, Spreenhagen
Herstellung
Zimmer.Obst GmbH, Spreenhagen
Fotos
Christo Libuda (Lichtschwärmer)












